Samstag, 21. Dezember 2019

Die Leidenschaft Oldtimer zu fahren

Oldtimer machen Spaß. Sie erfreuen einen schon beim Anblick und wecken oft die ein oder andere Erinnerung. Die Leidenschaft für klassische Automobile ist keine Modeerscheinung, vielmehr ein anhaltender Trend. Die Anzahl an Autos auf deutschen Straßen, die 30 Jahre und mehr auf dem Buckel haben nimmt stetig zu. Doch ohne Liebe und Leidenschaft ist es schwierig einen Oldtimer auch tatsächlich zu erhalten. Pflege und Arbeit gehören einfach mit dazu, wenn man in den Genuss kommen möchte, ein altes Fahrzeug sein Eigen zu nennen und es womöglich auch als Wertanlage zu betrachten.

Wie definiert man einen Oldtimer?

Oldtimer sind oft Sinnbilder einer bestimmten Zeit und Epoche der Automobilgeschichte. Wenn man von einem Oldtimer spricht, handelt es sich nicht einfach um ein in die Jahre gekommenes Fahrzeug, vielmehr muss ein Automobil ganz spezielle Kriterien erfüllen, wenn es denn auch ein Oldtimer im eigentlichen Wortsinn sein soll. Speziell in Deutschland gibt es einige Auflagen für Besitzer von älteren Fahrzeugen, die ein sogenanntes H-Kennzeichen erhalten können.

Einteilung nach Zustand

Immer seltener kann man gut erhaltene Originalfahrzeuge finden. Sogenannte Scheunenfunde werden immer seltener, längst haben findige Geschäftemacher nahezu jeden Winkel des Landes nach alten Schätzen abgesucht. Wer also kein restauriertes Fahrzeug kaufen möchte, sondern günstig in die Welt der Oldtimer einsteigen möchte, der muss mit Schäden und Mängeln rechnen, die das Fahrzeug aufweist. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen 5 Klassen:

Klasse 1

Das Fahrzeug befindet sich in einem makellosen Zustand, es sind keine Mängel an Optik, Originalität und Technik zu erkennen. Alle Fahrzeugteile sind original oder ordnungsgemäß restauriert. Solche Fahrzeuge werden als neuwertig klassiert.

Klasse 2

Das Fahrzeug befindet sich in einem guten Zustand, es ist mängelfrei aber mit sichtbaren Gebrauchsspuren. Das Fahrzeug ist entweder in einem Originalzustand oder fachgerecht restauriert worden. Diese Fahrzeuge sind in einem unverbastelten Originalzustand.

Klasse 3

Das Fahrzeug ist in einem gebrauchten Zustand, kann normale Abnutzungsspuren und kleinere Mängel aufweisen, ist aber fahrtüchtig. Keine Durchforstungen vorhanden, keine unmittelbaren Arbeiten notwendig.

Klasse 4

Hier befindet sich das Fahrzeug in einem verbrauchten Zustand. Es ist nur bedingt fahrtüchtig und eventuell sind sofortige Arbeiten notwendig. Leichte bis mittlere Durchforstungen sind vorhanden, einzelne Fahrzeugteile können fehlen oder defekt sein. Insgesamt ist ein Fahrzeug dieser Kategorie jedoch relativ einfach zu reparieren und zu restaurieren.

Klasse 5
Ein solches Fahrzeug ist in jedem Fall sanierungsbedürftig. Es ist nicht fahrtüchtig, schlecht oder mangelhaft restauriert oder sogar teilweise zerlegt. Einzelne Teile können fehlen und es sind größere Investitionen notwendig um das Fahrzeug zu restaurieren.

Auch ist meist Rost ein Problem, wenn es darum geht, das Fahrzeug in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Viele Menschen stecken viel Zeit und Arbeit in die Restauration ihres Fahrzeugs. Wer auch tatsächlich ein H-Kennzeichen haben möchte, der muss bei der Restauration auf einige Aspekte achten.

H-Kennzeichen

In Deutschland gibt es derzeit etwa 477.000 Oldtimer mit sogenanntem H-Kennzeichen. Das H steht hierbei für historisch und ist durch ein H am rechten Rand des Kennzeichens zu erkennen. Um in den Genuss eines solchen Kennzeichens zu kommen, müssen spezielle Kriterien erfüllt sein:
  • Das Fahrzeug muss vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen worden sein
  • Es muss sich weitestgehend in einem Originalzustand befinden
  • Es muss gut erhalten sein
  • Es muss auch als Alltagsfahrzeug eingesetzt werden können
Um den Originalzustand eines Fahrzeuges zu belegen, muss ein Gutachten von einem anerkannten Sachverständigen angefertigt werden. Somit können beispielsweise getunte oder nicht mit Originalteilen restaurierte Fahrzeuge in Deutschland kein H-Kennzeichen erhalten. Sinn und Zweck des H-Kennzeichens ist es, kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut zu erhalten. Besitzer von Oldtimer mit H-Kennzeichen können von Steuervorteilen profitieren, zudem können Fahrverbotszonen auch ohne grüne Plakette befahren werden.

Spezialfall Versicherung

Besonderen Wert sollte man ebenfalls auf die Versicherung des Fahrzeugs legen. Nicht bei jedem Versicherer wird ein entsprechender Versicherungsschutz angeboten, da jeder Oldtimer für sich eine individuelle Sache darstellt und somit nicht einfach "von der Stange" versichert werden können. Es gibt jedoch Versicherer, die sich auf alte Fahrzeuge spezialisiert haben und eine gesonderte Oldtimer Versicherung anbieten. Wer mit dem Gedanken spielt sich kurz- oder langfristig einen Oldtimer zuzulegen, sollte auch die Frage nach der richtigen Unterbringung des Fahrzeugs berücksichtigen. Insbesondere dann, wenn es auch als Wertanlage dienen soll, ist eine trockene und geschützte Unterbringung unumgänglich um Schäden am Auto zu vermeiden. Manche Versicherungen machen eine Garage oder Ähnliches zur Voraussetzung für einen Versicherungsabschluss.

Wie man sieht kann es durchaus etwas Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, um ein altes Fahrzeug in einen guten Zustand zu versetzen und es mit H-Kennzeichen wieder auf die Straße zu bringen. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Trend zu mehr zugelassenen Oldtimern weiterhin fortsetzt. Sie waren und bleiben eine willkommene Abwechslung im immer einheitlicher werdenden Gesamtbild der Autos auf deutschen Straßen.

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